Pressemitteilung vom 14.12.2010

Andreas Müller
Gleich drei Anträge zum Thema Verkehr stellt die Fraktion der LINKEN in der nächsten Kreistagssitzung am 17.12.2010. Zum Einen beantragt sie die Anwendung von Sozialen Vorgaben bei Auftragsvergaben durch dem Rhein-Main-Verkehrsverbund, zum Anderen die Prüfung eines alternativen Ausbaus der Kinzigtalbahn. Hinzu kommt dann noch ein Änderungsantrag zum Thema Fluglärm.
“Bei der Vergabe von Leistungen im Personennahverkehr wird immer deutlicher, dass die Aufgabenträger als Vergabestellen für weniger Geld eine höhere Qualität abfordern. Das führt dazu, dass der Wettbewerb zu einem Unterbietungswettbewerb verkommt, der die Stellschraube für ein preisgünstiges Angebot vor allem an den Lohn- und Sozialstandards der
Beschäftigten ansetzt”, stellt der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion Andreas Müller fest. Es werde vergessen, dass hohe Qualität nur mit qualifiziertem Personal zu erreichen sei. Daher ist es nach Auffassung der LINKEN, unerlässlich, die Lohn- und Sozialstandards der Beschäftigten abzusichern und eine qualifizierte Ausbildung zu verlangen.
Unternehmen, die Lohn- und Sozialstandards respektierten, seien im Nachteil. Andere, die sich bei der Ausschreibung wenig Gedanken um Lohn- und Sozialstandards machen, sind deutlich im Vorteil. Billigstvergaben sind gewollt und werden praktiziert, so Müller.
Dies müsse aber so nicht sein, sowohl das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung als auch die neue Europäische Verordnung 1370/2007 geben alle Möglichkeiten, den sozialen Schutz in einer Ausschreibung zu verlangen. Und genau dies fordern die LINKEN mit ihrem Antrag. Als Beispiel nennen sie den Verkehrsverbunds Rhein-Neckar. Dieser hat anlässlich einer Ausschreibung erklärt, dass der vom Europarecht geforderte Wettbewerb – in diesem Fall für die Erteilung von Buskonzessionen – nicht zu Lasten der Beschäftigten gehen dürfe. Er setzte sich dafür ein, dass die Möglichkeiten der neuen Rechtssetzung (entsprechend der EU-Verordnung 1370/2007) in die Ausschreibungen aufgenommen wurden. So mussten die Bewerber die Übernahme der beim bisherigen Betreiber beschäftigten Mitarbeiter mit all ihren sozialen Besitzständen zusichern. Damit hat der VRN erstmals in Deutschland die
Regelung der EU-Verordnung 1370 in einer Ausschreibung durchgesetzt. Dem dürfe der der RMV nicht nachstehen, so Müller.
Der zweite Antrag der LINEKN fordert, dass der Kreistag den Bundesverkehrsminister auffordert, den sogenannten Kosten-Nutzen-Vergleich (NKV) für einen 4 gleisigen Ausbau der Kinzigtalbahn ermitteln soll. Die Bahnstrecke Frankfurt-Fulda ist eine der wichtigsten Strecken in Deutschland. Die schlechte Einstufung des notwendigen Ausbaus der Bahnstrecke Frankfurt-Hanau-Fulda bedeutet auf lange Sicht deren Aus, stellt Andreas Müller fest.
Der Main-Kinzig-Kreis gehört zu den am stärksten belasteten Transitbereichen im Herzen Europas und braucht deshalb als Alternative zur Straße eine zukunftsfähige Bahnverbindung als Teil der europäischen Magistralen. Vor dem Hintergrund, dass die Strecke in Zukunft sogar noch an Bedeutung gewinnen wird, muss die Strecke Vorrang vor Prestigeprojekten haben. Höhere Kapazitäten und verbesserte Qualität sind nur mit zusätzlichen Gleisen zu bewerkstelligen.
Nach Auffassung der LINKEN wird die sogenannte Mottgerser-Spange schön gerechnet. Aber selbst bei einem Nutzen-Kosten-Vergleich (NKV) von 2,0 ist bis zum Jahre 2030 fraglich, ob überhaupt gebaut wird. Die ursprüngliche Planung sah mit 300 km/h schnellen Zügen im Fernverkehr eine Fahrzeitverkürzung Frankfurt-Fulda von 10 Minuten und Würzburg-Frankfurt von 18 Minuten vor. Jetzt sollen billigere nur 250Km/h schnelle Züge eingesetzt werden. Dies bedeutet, dass jetzt über 3 Mrd. Euro für Fahrzeitenverkürzungen ausgegeben werden sollen, die selbst im Fernverkehr kaum etwas bringen. Die rund 35 Kilometer lange Mottgerser Spange ist Teil einer uralten Strategie der Deutsche Bahn AG, den Schnell- und den Güterverkehr voneinander zu trennen. Sie ist unter anderem festgeschrieben im “Netz 21″, dem langfristigen Projektpapier der Bahn. Der von Hanau kommende Schnellverkehr kann dann sowohl Richtung Fulda als auch Richtung Würzburg abzweigen. Der Personennahverkehr und der Güterverkehr sollen hingegen auf der bisherigen Trasse Gelnhausen-Fulda weiterfahren. Dies ist aber nach Ansicht von Müller das größte Problem. Wenn auf der bestehenden Kinzigtalbahn, der geschaffene Platz, dann hauptsächlich für den Güterverkehr verwendet werde, würden damit zusätzliche Lärmbelastungen für die Anwohner entstehen, die bei einem Ausbau der Trasse mit gleichzeitigem modernen Lärmschutz vermeidbar seien. Aber dafür ist in den Planungen nichts vorgesehen. Man will für eine Zeitersparnis von wenigen Minuten viel Geld investieren, nimmt katastrophale Einschnitten in die Natur in Kauf, lässt aber die Bürger des Main-Kinzig-Kreises mit einer alten lauten Strecke im Regen beziehungsweise im Lärm stehen, stellen die LINKEN fest.
Deshalb sei es dringend notwendig, die bisher nicht in den Planungen enthaltene Möglichkeit des Ausbaus der Kinzigtalbahn entlang der bestehenden Trasse zu untersuchen. In ihrem Änderungsantrag zum Thema Fluglärm, wird die Kreistagsfraktion eine Konkretisierung des durch den Kreisausschuss eingebrachten Antrages verlangen. Zum Einen soll der Antrag auf die Absenkung der Flughöhen konkretisiert werden und des Weiteren soll der Beschluss des Kreistages zum “Anti-Lärm-Paket” aus dem Jahr 2002 nochmals bestärkt und ergänzt werden. Insbesondere soll der Kreistag sich weitere Schritte vorbehalten, wenn das Nachtflugverbot nicht kommt und zusätzlich die Flughöhen abgesenkt werden. Dieser Lärmzuwachs ist nach Ansicht der LINKEN Kreistagfraktion nicht hinnehmbar.
http://www.dielinke-mkk.de/fraktionen/kreistagsfraktion/
50.140333
8.920981