Ein Bericht von der zweiten Kreisvorsitzenden-Tagung in Hannover am 17.03.2012 von Gisela Dreibus
120 Kreisvorsitzende und Kreisvorstandsmitglieder waren angereist. Auf sie wartete von 11:30 Uhr bis 17:00 Uhr ein straffes Programm. Je 5 parallele Foren zu organisationspolitischen Fragen und zu unserer Strategie auf dem Weg zu einer erfolgreichen Bundestagswahl 2013 standen auf dem Programm.
Doch zunächst – nach einer Begrüßung durch Caren Lay – ging Gesine Lötzsch in einer kurzen Rede auf die Wahl des Bundespräsidenten und unsere Kandidatin Beate Klarsfeld ein, deren lebenslanges Engagement gegen den Nationalsozialismus sie ausführlich würdigte. Sie betonte, dass wir in unserem Kampf gegen den Antifaschismus Bündnispartner brauchen, die mit uns zusammen gegen die Nazis vorgehen.
Gleich nach Gesines Rede teilten wir uns in 5 Diskussionsforen auf. Ich beteiligte mich an dem Forum „Mitgliederentwicklung, -gewinnung und -beteiligung“. Es zeigte sich schnell, dass es einen großen Mitteilungsbedarf über die eigene Situation im Kreisverband, aber auch großen Bedarf am Informationsaustausch und das „Hoffen auf ganz heiße Tipps“ gab. Wir waren uns schnell einig, dass vor der Mitgliedergewinnung erst einmal die Fragen stehen sollten: „Wie machen wir das? Wie überzeugen wir Menschen (und besonders Frauen) davon, dass sie von einer Mitgliedschaft in der LINKEN nur profitieren können ?“ Einhellige Meinung war, dass wir dazu engagierte, motivierte und qualifizierte Mitglieder brauchen. Leider ist es häufig der Fall, dass es zu wenige Aktive gibt, von denen zu viel gefordert wird.
Noch einige bemerkenswerte Tipps:
- Der PV soll Konzepte aus Kreisen und Landesverbänden sammeln, auf die alle zugreifen können
- Der PV soll aufhören, Debatten loszutreten, die uns nur Mitgliederaustritte, aber keine Eintritte bringen
- Unzufriedenen Mitgliedern den Wechsel in einen anderen Kreisverband anbieten
- Vorschlag einer „mobilen Eingreiftruppe“ des Kreisvorstandes, sie kommt zum Einsatz, wenn es in einem Ortsverband brennt.
Wir hätten noch Stunden diskutieren können, doch schon stand nach einer kurzen Mittagspause das Referat von Klaus Ernst an.
Er betonte, dass soziale Gerechtigkeit Bestandteil unserer Politik ist und bleiben muß, denn wir wollen eine Gesellschaft, in der es gerecht zugeht. Mittlerweile arbeiten 50 % aller Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnbereich, eine unvorstellbare Zahl von Menschen, deren Einkommen für ihr Leben nicht mehr ausreicht. Vehement forderte er die Abschaffung der Praxisgebühren, die ein Teil der Aushebelung des paritätischen Sozialversicherungssystems seien. Die Forderungen der LINKEN sind glaskar: Höhere Löhne, höhere Sozialleistungen und höhere Renten. Die Situation in Europa führte er uns sehr deutlich vor Augen: Hier geht es um die Zerschlagung des Sozialstaates, der in über 100 Jahren unter den größten Anstrengungen aufgebaut wurde. Es beginnt in Griechenland, greift über nach Spanien, Portugal und Italien – und es wird Deutschland erreichen, wenn wir uns vorher nicht wehren.
Nach seiner engagierten und mit viel Applaus bedachten Rede erhielten einige Kreisverbände Preise, da sie innerhalb eines halben Jahren zwischen 20 und 51 neue Mitglieder für die LINKE gewinnen konnten.
Derart motiviert strömten wir wieder in die einzelnen Foren. Hier entschied ich mich für das Forum „Gute Arbeit, gute Löhne und soziale Sicherheit für Alle“, das von unserem hessischen Abgeordneten im Bundestag und Bundesgeschäftsführer Werner Dreibus geleitet wurde.
Er plädierte in seiner bekannten hessischen Art dafür, dass wir unsere Themen, unsere Forderungen entsprechend dem Alltagsbewusstsein der Menschen formulieren müssen. Auch Missstände müssten aus der Sicht der Betroffenen geschildert werden.
In Kürze noch einige bemerkenswerte Diskussionsbeiträge:
- Wir vertreten die Forderungen der Mehrheit der Bevölkerung, sprich der abhängig Beschäftigten. Wir wollen ihr Leben nicht verwalten, wir wollen es verändern!
- Wir müssen DER Ansprechpartner sein, der den Menschen hilft, ihre Wut loszuwerden, zu kanalisieren und in die richtigen Wege zu leiten
- Wir müssen für alle verständlich unsere Forderungen formulieren und erklären
- Wir können nur das Vertrauen der Menschen gewinnen, wenn wir aufhören, immer zu streiten.
Werner Dreibus moderierte auch die Abschlussrunde, in der die Diskussionen der Foren kurz und knapp zusammengefasst wurden, hier eine Auswahl der Ergebnisse:
- Im Osten zu alt, im Westen zu wenige Mitglieder: das führt zur Überlastung der Aktiven.
- Unser Mund ist das wichtigste Instrument zur Mitgliedergewinnung, kostenlos und immer dabei: nutzen wir ihn!
- Wir brauchen Planung, Regelmäßigkeit und personelle Kontinuität in der politischen Bildung.
- Unsere Seminare brauchen bessere Inhalte und Organisation
- Unsere Politik hat auch für Menschen „in Lohn und Arbeit“ da zu sein, deshalb Betriebsgruppen bilden und sich in der LAG Betrieb + Gewerkschaft engagieren.
- Politische Interessen bündeln und mit potentiellen Verbündeten reden
- Keine weiteren Verkäufe von kommunalem Eigentum, sondern Rekommunalisierung.
- Die Mieter stärken und Wohnrecht für Alle fordern
- Wir müssen unbedingt eine Friedenspartei bleiben
- Einen Rüstungs- und Militäratlas erstellen (wo sind vor Ort die Anlässe für Proteste zu finden?)
Die Aufforderung der Foren-Sprecher, in jeweils einer Minute einen Wunsch zu formulieren, den sie gerne in einem Jahr erreicht haben wollen, brachte so manchen Traum zum Vorschein:
- Dass kein Gegenwind mehr aus Berlin kommt, der uns umbläst
- Dass im Kreisvorstand alle Konflikte gelöst und zu einem positiven Ende gebracht wurden
- Dass aus 3 Truppenübungsplätzen 3 Windparks entstanden sind…..
Mein persönliches Fazit:
Ich bin mit einer geringen Erwartungshaltung nach Hannover gefahren, wurde aber positiv überrascht. Ich hoffe, dass der Parteivorstand Kritik, Anregungen und Wünsche der Teilnehmer annimmt, sich ernsthaft damit beschäftigt und – soweit möglich – auch umsetzt. Ich freue mich über die vielen Genossinnen und Genossen, zu deren Telefonstimme ich jetzt auch ein Gesicht habe – und über die vielfältigen Anregungen, die sie weitergegeben haben. Danke, liebe Genossinnen und Genossen, für Eure tollen Ideen, Eure Kreativität und Eure engagierten Beiträge!
Gisela Dreibus
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8.920981